Landsberg
im 20. Jahrhundert
Bürgervereinigung zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte
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Anton Posset: der geachtete Historiker und international renommierte Pionier der Erinnerungsarbeit wird im September 2011 siebzig Jahre alt

 

Als vor vierzig Jahren der Historiker und Gymnasiallehrer Anton Posset in Gunzenhausen begann, sich für die deutsch-jüdische Aussöhnung zu engagieren und die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Nachkriegsdeutschland zu thematisieren, war solches Engagement unerwünscht und mit erheblichen gesellschaftlichen Tabus belegt. Der Begriff Erinnerungsarbeit war in weiten Teilen der Bevölkerung etwas gänzlich Unbekanntes.
Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist Erinnerungsarbeit und die geschichtliche Auseinandersetzung mit dem "Dritten Reich" auch durch Jugendliche und ihre Lehrer gesellschaftlich anerkannt und es ist für viele heute leichter geworden, sich - ohne größere, substanzielle Repressalien befürchten zu müssen - in der Erinnerungsarbeit engagieren zu können.
Daß dies so ist, haben wir ausschließlich den wenigen engagierten Persönlichkeiten im Format von Anton Posset zu verdanken.

Lang und steinig war der Weg, welchen Anton Posset bis heute zielstrebig beschreitet. Aufrichtigkeit, Achtung der Menschenwürde und seine hohen moralischen Grundsätze gelten ihm als persönliche Richtschnur. Mit großem Engagement setzt er sich bis heute für die Förderung von demokratischem Bewußtsein ein und stellt sich vehement gegen alle Formen von Totalitarismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus.
Ohne Charakterfestigkeit und Zivilcourage hätte er zweifelsohne viele seiner Ziele nicht verwirklichen können. So mancher Abschnitt seines Weges war mit Fallstricken und Hinterhalten gespickt. Für manche Zeitgenossen, als „unbequemer Nestbeschmutzer“ abgestempelt, war er immer wieder Zielscheibe für Haß, Willkür, Mobbing und Diffamierungskampagnien.

Anton Posset ist standhaft und unbequem geblieben und hat sich letztlich gegen seine Widersacher behauptet – die Schrammen und Narben sind aber noch nicht alle verheilt.
Als Historiker und noch immer sehr aktiver Veteran der Erinnerungsarbeit genießt er heute internationale Anerkennung und Achtung. Weltweit sind seine Kontakte und so nutzt er das Medium Internet für internationalen Gedanken- und Informationsaustausch sehr erfolgreich.
Auch für harte körperliche Arbeit war und ist er sich nie zu schade. Wenn es darauf ankommt, dann packt er auch heute noch kräftig an. Das heutige gepflegte Erscheinungsbild der Europäischen Holocaustgedenkstätte ist vor allem ihm und seiner fast unermüdlichen Energie zu verdanken.

Anton Posset ist Gründungsmitglied der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, welche angeregt durch einen Brief des damaligen Bayerischen Minissterpräsidenten Franz Josef Strauß, am 9.11.1983 ins Leben gerufen wurde.
Unter seiner Leitung als Vorstandsvorsitzender gelang es, den Ministerpräsidenten von der Denkmalfähigkeit der letzten KZ-Tonröhrenunterkünfte auf dem ehemaligen jüdischen KZ-Lager Kaufering VII zu überzeugen, so daß deren Erhaltung als Ziel im „Interesse der Allgmeinheit“ sichergestellt war. Er war maßgebend verantwortlich für die weitere Entwicklung der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, unter anderem für den Grunderwerb des ehemaligen Konzentrationslagers Kaufering VII, die Wiederherstellung und Pflege des verwilderten Geländes, die Errichtung der Europäischen Holocaustgedenkstätte mit den Gedenksteinen von elf europäischen Staatsoberhäuptern und die Gestaltung des „Weges der Menschenrechte und der Menschenwürde“.

Anton Posset: ehrenamtliche Führung durch die KZ-Gedenkstätte 1993 Anton Posset: Vorbereitung zur Übergabe des Gedenksteins des französischen Staatspräsidenten im April 1998

Die vielfältigen Interessen von Anton Posset blieben aber nicht nur auf historische Forschungen und die Erinnerungsarbeit beschränkt.
So brachte er als Autor und Lehrer seine methodischen und didaktischen Erfahrungen in das vierbändige Geschichtswerk „Erinnern und Urteilen“ für die gymnasiale Mittelstufe unter dem Begriff „entdeckendes Lernen“ ein.
In seinen aktiven Jahren als Gymnasiallehrer betreute als Tutor Schüler bei vierzehn Geschichtswettbewerben „Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten“. Drei dieser umfangreichen Arbeiten wurden mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Andere Arbeiten wurden mit zwei zweiten, zwei dritten und weiteren Preisen ausgezeichnet.
In den Jahren 1975 bis 1980 war er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des „Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte“, Mitglied der Zentraljury der Körber-Stiftung und etablierte die Regionaljury des Geschichtswettbewerbes für Oberbayern in München.
Für die engagierte Jugend hat er bis heute ein offenes Ohr und gerne unterstützt er noch immer Schüler und Studenten mit seinem Rat.
Seit 9. November 1983 leistet er ununterbrochen ehrenamtliches Engagement als 1. Vorstandsvorsitzender des Vereins „Landsberg im 20. Jahrhundert – Bürgervereinigung zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte“.
Als Autor und Redaktionsmitglied der Publikationsreihe „Themenhefte Landsberger Zeitgeschichte“ trug er erheblich zum Erfolg dieser Zeitschriftenreihe bei.

Ehrungen:

In Würdigung seiner Arbeit erhält Anton Posset in Anwesenheit des deutschen Botschaftsrates in Jerusalem am 9. September 1990 aus der Hand des Vorsitzenden von Yad Vashem Itzak Arad den sechsarmigen Yad-Vashem-Leuchter, die höchste Auszeichnung, die die Gedenkstätte an einen Nachgeborenen verleihen kann.
Für seine großen Verdienste um Völkerverständigung und gelebte Zivilcourage wird Anton Posset am 14. Juli 2009 mit dem dem Étoile Civique d'Or, ( Stern für Zivilcourage in Gold) ausgezeichnet.
Wegen seinen herausragenden, jahrzehntelangen Verdiensten in der Erinnerungsarbeit, seinem vorbildlichen Engagement und seiner beispielhaften Zivilcourage wird Anton Posset am 9. Januar 2010 Ehrenpräsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung .
Itzak Arad, Anton Posset - Verleihung Yad Vashem Leuchter Philippe Sarre, Serge Friydman, Anton Posset, Verleihung Etoile civique d'Or

Seine Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit im Umgang mit den Tatsachen der jüngsten deutschen Geschichte ist gerade in seiner Heimat Landsberg am Lech bis heute immer wieder Ursache für Feindseligkeiten und Diffamierungen. Die regelmäßigen Versuche Landsbergs, die eigene Geschichte „in Bahnen zu lenken“ und „den Bürgern erträglich zu machen“, gehören bedauerlicherweise auch im 21. Jahrhundert nicht der Vergangenheit an. Eine weichgespühlte Darstellung von historischen Ereignissen und die manchmal äußerst primitiven Geschichtsklitterungsversuche vor Ort machen den engagierten Siebzigjährigen vor dem historischen Hintergrund des tausendfachen Judenmords im Landkreis Landsberg noch immer wütend. Es ärgert ihn, daß es sechsundsechzig Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs, trotz Aufklärung und historischer Forschung noch immer Landsleute gibt, die die Ereignisse der Geschichte des „Dritten Reichs“ verharmlosen und schönreden. Es empört ihn, wenn in der Erinnerungsarbeit die Maßstäbe verloren gehen und Wichtigtuerei gepaart mit persönliche Eitelkeiten die Ernsthaftigkeit und den ursprünglichen Ansatz persiflieren und die unterschiedlichen Formen des Holocaustbusiness immer skurrilere Blüten treiben.

Als politisch engagierter Bürger äußert er sich bis heute immer wieder öffentlich zu brisanten Themen. Ungerechtigkeit, unsoziales oder antidemokratisches Verhalten widerstreben seinem sozialen Gewissen – dann mischt er sich ein, dann ist er auch gerne unbequem.

Anton Posset ist ein intelligenter, vielseitiger und interessanter Mensch. Seit über zwanzig Jahren arbeiten wir zusammen und ich habe ihn in dieser Zeit achten und schätzen gelernt. Ja - er ist manchmal unbequem, ja - er ist auch dann und wann anstrengend. Vor allem dann, wenn es darum geht, Mißstände aufzuzeigen und gesellschaftliches Versagen aufzudecken. Sein christlich geprägtes, humanistisches Menschenbild läßt Gleichgültigkeit im Umgang der Menschen miteinander nicht zu.
Die Konsequenzen für sein Handeln hat er immer getragen – tragen müssen. Dies hat ihn aber niemals daran gehindert, sich zu Wort zu melden oder sich einzumischen, weil ihm eine Sache wichtig war. Er tat dies als Mitbürger und Demokrat, der Zivilcourage nicht als Phrase verstand.
Dafür verdient er unseren großen Respekt.

Lieber Anton Posset, zum 70. Geburtstag alle guten Wünsche für die Zukunft! Wir wünschen Ihnen und Ihrer verehrten Gattin weitere glückliche Jahre der Gesundheit und der Schaffenskraft. Reichlich beschenkt durch Ihr großes Engagement und Ihre Unterstützung in der Erinnerungsarbeit können wir Ihnen zu Ihrem Ehrentage nur noch eines sagen: „Danke für alles!“

Manfred Deiler

Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung

Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert

Epilog:

Professor Joseph Rovan (deutschstämmiger jüdisch-französischer Widerstandskämpfer und KZ-Überlebender von Dachau - enger Mitarbeiter des französischen Staatspräsidenten De Gaulle in der Nachkriegszeit – Romano Guardini Preisträger der Katholischen Akademie Bayern – Rundfunkkorrespondent des Bayerischen Rundfunks – Professor an der Sorbonne/Paris) schlug 1988 Anton Posset beim Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker wegen seines vorbildlichen Engagements in der Erinnerungsarbeit für das Bundesverdienstkreuz vor. Dieser Vorschlag fand die Unterstützung des Deutschen Bundespräsidenten, wurde jedoch nach massiven Interventionen lokaler Gegner durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibel abgelehnt.
Was folgte waren Ausgrenzung, Mobbing und zweimalige Versetzung als Lehrer. Bis zu seiner Pensionierung war seine Personalakte im Bayerischen Kultusministerium auf mehrere 10 000 Seiten angewachsen.